Veranstaltungen
Die Vermittlung von Kenntnissen über die Globalen Handelsstrukturen, über soziale Ungerechtigkeiten und Menschenrechtverletzungen und zunehmend über die Auswirkungen des Klimawandels ist kompliziert und oft können Zusammenhänge und Beziehungen nur schwer vermittelt werden. Es zeigt sich immer wieder, dass dies am besten gelingt, wenn beispielhaft bestimmte Länder, Menschen, Entwicklungen, Produkte herausgehoben werden. Zudem stoßen konkrete Berichte über Produzent*innen im Fairen Handel sowohl bei gut informierten Anhängern des Fairen Handels als auch bei anderen Menschen erfahrungsgemäß immer auf großes Interesse: Die Verbindung zwischen den erworbenen Kenntnissen und den konkreten fair gehandelten Produkten ist ein starker Anreiz, sich mit übergeordneten Problemen zu befassen.
Daher veranstaltet das AZ3W seit Jahren regelmäßig Abendveranstaltungen und vereinzelt auch Seminare, die über bestimmte Regionen, Fairhandelsproduzent*innen, politische, soziale oder ökologische Themen informieren. Diese stehen in jedem Jahr unter einem bestimmten Oberbegriff. Im Archiv sind die Veranstaltungen seit 2007 aufgelistet.
Veranstaltungen 2026: Fairer Handel im Wandel der Zeit
Für die Förderung der Veranstaltungen bedanken wir uns beim Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche KED, der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung NUE und der El-Puente-Stiftung.
Alle Veranstaltungen finden im Weltladen Osterstrasse, Hellkamp 16, 20255 Hamburg statt.
Donnerstag, 4.6.2026, 19.30 Uhr
Der Abend des Fairen Handels - Fairer Handel schafft Zukunft
50 Jahre gibt es Fairen Handel in Deutschland – und in der Zeit hat sich viel verändert: Am Anfang haben sich Reisende in einem bestimmten Land für die Menschen dort, für deren Leben und deren Kultur interessiert. Sie kauften deren Produkte, haben sie im „Koffer“ nach Deutschland transportiert, hier angeboten und sich langsam zu einer kleinen „Importstelle“ entwickelt. Die dabei entstandenen persönlichen Verbindungen bestehen bis heute, nur haben sich die Beziehungen verändert: Beide Seiten entwickeln nun gemeinsam Produkte, wobei der traditionelle Hintergrund gegenüber den “Anforderungen des Marktes“ im Hinblick auf Design und Funktionalität in den Hintergrund getreten sind.
Manfred Winkler und Myoung-Hee Lim-Winkler beschreiben diese Entwicklung am Beispiel des Fair Trade Partners GLOBO.
Eintritt: 3 Euro
Freitag, 3.7.2026, 19.30 Uhr
Fairer Handel – Genau hinschauen hilft
Mit dem Erfolg des Fairen Handels am Markt stieg das Interesse „faire Produkte“ anzubieten auch bei Anbietern, die sich für die inhaltlichen Hintergründe nicht interessieren: Was zählt ist der potentielle Gewinn. Denn „fair“ ist kein geschützter Begriff. Es entstanden in der Folge zahlreiche Labels, mit denen eine Ware erfolgreich vermarktet werden sollte. Diese führten aber ebenso wie kritische Berichte in den Medien eher zu Verwirrung und Verunsicherung bei den Konsument*innen. Das Interesse im Fairen Handel ist daher groß, das eigene Label so sicher wie möglich zu gestalten.
Die Romero Initiative (CIR) hat 2025 ihren überarbeiteten „Wegweiser durch das Label-Labyrinth“ herausgegeben. Anne Sträßer hat hieran mitgearbeitet und wird die Einzelheiten vorstellen und Fragen beantworten.
Eintritt: 3 Euro
Veranstaltungen 2025: Klimawandel betrifft alle
Für die Förderung der Veranstaltungen bedanken wir uns beim Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche KED, der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung NUE und der El-Puente-Stiftung. Zwei der Veranstaltungen fanden in Kooperation mit Oikocredit statt.
16.5.2025 Gutes Geld für Gutes Klima
Referentin war die Bildungsreferentin beim Förderkreis Norddeutschland e.V. der ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, Daniela Martin. Sie stellte die Arbeit von Oikocredit im Angesicht des nicht mehr zu leugnenden Klimawandels vor. Die internationale Genossenschaft Oikocredit gibt es seit 50 Jahren. Ihr Grundgedanke lautet: Es gibt viele Ideen, aber oft kein Kapital. Daniela Martin beschrieb die Folgen des Klimawandels für Kleinproduzent*innen in den Ländern des Globalen Südens, nahm aber immer wieder auch Bezug auf Veränderungen im Norden. Im Dialog mit den Besucher*innen diskutierte sie die Folgen für Hamburg und was man dagegen tun könne. Zwar ist der Klimawandel überall sichtbar, besonders betroffen sind aber die Länder des Globalen Südens. Die Referentin beschrieb mehrere Projekte in Indien und der Dominikanischen Republik, wo Oikocredit durch Kleinkredite Einzelpersonen und Genossenschaften erfolgreich in die Lage versetzte, den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Ein Beispiel war ein solarbetriebener Kühlschrank. pdf
2.7.2025 Schmuck mit Tradition und Sinn. Ein Vortrag über Silberschmuck, Kultur und gerechte Arbeit
Norbert Tomforde von der Importorganisation Südsinn berichtete in einem sehr persönlich gefärbten Vortrag mit Bildern über das Projekt der Karen. Er schilderte deren Kultur und Wirtschaftsweise, die Entstehung des Projekts aus einer privaten Initiative heraus und die aktuellen Herausforderungen. Die Karen, größte Minderheit in Thailand, lebt im nordwestlichen Hochland. Sie ist ein schriftloses Volk ohne schriftliche Besitztitel, in deren Kultur der Reis im Mittelpunkt von Leben und Religion steht. Sie erkennen die Gefahren und Chancen des modernen Lebens und versuchen alte und neue Lebensformen miteinander zu vereinbaren. Ihre größten Probleme sind Armut und alle damit verbundenen Nachteile, Landknappheit sowie Diskriminierung durch Mehrheitsgesellschaft und Verwaltung. Allerdings ist das Projekt Südsinn nur durch das Engagement des thailändischen Königshauses möglich geworden. Südsinn verkauft über den Fairen Handel handgefertigten, hochwertiger Silberschmuck der Karen nach modernen Designs in Europa vor allem in Weltläden, Boutiquen und allen deutschen Fairhandels-Regionalzentren. Die Karen arbeiten mit den Rohstoffen (Silber und Schmucksteinen), mit denen die Industriegesellschaften sich unter Ausbeutung großer Teile der Welt ihren Wohlstand aufgebaut haben. Da soziale Sicherheitssysteme in der thailändischen Gesellschaft generell fehlen, bedeutet das Projekt Südsinn auch immer, dass in den Preis für die von traditionellen Silberschmieden hergestellten Schmuckstücke Kosten für soziale Maßnahmen eingehen müssen. Die Herstellung der Schmuckstücke bedeutet ein Überleben nach einem in kurzer Zeit erfolgten Modernisierungsschock. Das Projekt Südsinn war damit aber auch Beschleuniger eines gesellschaftlichen Wandlungsprozesses. pdf
18.9.2025: Zukunft des Kaffees – Bitter oder Fair?
Die Referentin für Wirtschaft und Menschenrechte Evelyn Bahn vom Inkota-Netzwerk e.V., berichtete über die aktuellen Probleme des Kaffeeanbaus. Für Inkota ist die Situation der Menschenrechte weltweit ein Schwerpunkt der Arbeit. Hier stand zunächst Kakaoanbau und Schokoladenproduktion im Mittelpunkt des Interesses, während der Kaffee lange Zeit als Vorreiter im Bereich Fairer Handel galt. Das hat sich inzwischen stark geändert. Während die Schokoladenkonzerne heute Menschenrechtsverletzungen ernst nehmen, hat sich die Situation beim Kaffeeanbau verschärft. Daher liegt der Fokus von Inkota bei der Menschenrechtsarbeit jetzt in diesem Bereich: Es soll über Menschenrechtsverletzungen beim Anbau aufgeklärt, zivilgesellschaftliche Organisationen in den Ländern des Kaffeeanbaus unterstützt, Verbraucher*innen stärker informiert und sensibilisiert und Kaffeebäuer*innen durch die Bildung von Netzwerken in ihren Rechten unterstützt werden. Die größten Kaffeelieferanten sind Brasilien (39%) und Vietnam (14%), die überwiegend die Sorte Robusta anbauen – eine Sorte, die weniger empfindlich auf den Klimawandel reagiert als Arabica. Weltweit leben 24 Mio. Menschen vom Kaffeeanbau, die Wertschöpfung liegt jedoch in Europa. So beherrschen z.B. in Deutschland vier Konzerne den Kaffeemarkt. Menschenrechtsverletzungen betreffen Kinderarbeit, Arbeitsbedingungen oder den Einsatz von Pestiziden. Die Referentin schilderte einen besonders krassen Fall auf einer Kaffeefarm in Brasilien, die Nestlé belieferte und in der die Arbeiter wie moderne Sklaven gehalten werden. Ein Arbeiter konnte Polizei und politisch Verantwortliche verständigen und rechtliche Hilfe finden. Es kam zur Anklage und Nestlé hat die Zusammenarbeit gekündigt. Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, zivilgesellschaftliche Organisationen vor Ort zu unterstützen. Außerdem betonte die Referentin die Wichtigkeit des Lieferkettengesetzes, das schon Veränderungen beim Agieren von Unternehmen bewirkt hat und auch von einigen Unternehmen befürwortet wird. Zum Schluss der Veranstaltung wurde der Appell an alle gerichtet, sich für den Erhalt des deutschen Lieferkettengesetzes einzusetzen und gegen eine Relativierung des EU-Lieferkettengesetzes zu kämpfen. Eine Petition in dem Sinne ist von der Initiative Lieferkettengesetz, zu der auch Inkota gehört, auf den Weg gebracht worden. Eine Unterschriftenliste lag an dem Abend aus. pdf
15.10.2025: Blickpunkt Indien: Frauen stärken
Die stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises Norddeutschland e.V. der Entwicklungsgenossenschaft, Ingrid Neitzel, behandelte das Thema Frauen in Indien und ergänzte die Ausführungen mit Erfahrungen aus ihrem Schwerpunktland Philippinen. Nachdem sie die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Indien beschrieben hat, stellte sie drei indische Frauen genauer vor: Eine Kleinbäuerin, die mit einem Kredit über 50 Euro ihre Familie ernährt und inzwischen über ein festes Haus und ein ausreichendes Einkommen verfügt, eine Unternehmerin, die mit Hilfe eines Kredits einer Tochter von Oikocredit über 3 Mio. Euro ein Kreditunternehmen aufgebaut hat, das sich auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert hat und den Schwerpunkt auf die Unterstützung von Frauen legt, und eine Schneiderin, die mit Hilfe eines dieser Kredite ihr Unternehmen aufgebaut hat, dadurch sozial aufgestiegen ist und nun versucht, ihr Unternehmen zu diversifizieren. Bei der Kreditvergabe spielen ethische Grundsätze wie soziale Löhne eine wichtige Rolle. Bei kleineren Krediten wie im ersten Fall, d.h. wenn Kleinbäuer*innen keine Mittel für die Sicherheit besitzen, werden die Kredite oft an Gruppen vergeben, wobei eine Frau das Geld investiert und die anderen Frauen haften. Dadurch stärkt Oikocredit nicht nur eine Frau, sondern die gesamte Gruppe. pdf
